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TSV Niederhofen – TSV Nordheim 4:0 (1:0; 0:0) n.V.

Der Teufel und seine Schippe oder das Glück des Tüchtigen

Als der junge Weinsberger Schiedsrichter Marco Gegner das, bei bestem Fußballwetter auf der Botenheimer Heide ausgetragene, Relegationsspiel zwischen dem TSV Niederhofen und dem TSV Nordheim nach nervenaufreibenden 120 Spielminuten unter dem frenetischen Jubel der unzähligen grün-weißen Fans und zahlreicher neutraler Zuschauer aus allen Ecken und Enden des Leintals und des Zabergäus, die sich als grün-weiße Sympathisanten entpuppten, abpfiff, war die blutjunge Elf aus dem Dörfchen Niederhofen im letzten Moment, aber gerade noch einmal so, dem Teufel von der Schippe gesprungen.

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Wochenlang hatte Beelzebub die Jungs vom TSV Niederhofen mit festen Griff darauf umklammert, bereit, sie hinabzustoßen, dahin woher sie vor einem Jahr gekommen waren und bis im vergangenen Jahr ein vereinslanges Dasein gefristet hatten – in die Kreisliga B3.

Doch die Jungs des Aufsteigers, ihr Trainerstab und alle Betreuer hatten sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften vehement dagegen gewehrt, in den letzten Spielen Punkt um Punkt ergattert und sich so am letzten Punktspieltag auf den drittletzten Tabellenplatz gerettet, welcher sie zur Teilnahme am Relegationsspiel gegen den TSV Nordheim, den Vizemeister der Kreisliga B3, berechtigte.

Nachdem schließlich Wochen mit harter und unermüdlicher Arbeit hinter den Jungs lagen, hatten Sie endlich auch einmal das Glück des Tüchtigen auf Ihrer Seite. Und das, war am heutigen Tag auch bitter nötig. Unter der Woche noch sehr selbstsicher und fest davon überzeugt, ihre schwere Aufgabe zu bewältigen, wirkte die Elf des TSV Niederhofen zu Spielbeginn vor imposanter Zuschauerkulisse („Doa gugged amoal die haufa Zuschauer oa. I glaab die schdeha in Dreierreiha um d`Schbortplatz rumm!“) unerklärlich nervös, obwohl sich das Spielerlazarett glücklicherweise wieder etwas gelichtet zu haben schien. So versuchte es mit Daniel Autenrieth ein Stammspieler wieder in der Anfangsformation und mit Philipp Moser nahm ein Zweiter zunächst auf der Auswechselbank Platz.

Die Jungs des TSV Nordheim waren von Anfang an zielstrebiger, Takt angebend und spielbestimmend. Ausgangspunkt vieler Angriffsaktionen der „Blau-Gelben“ war zumeist der erfahrene Daniel Benitez, der im Mittelfeld rackerte was das Zeug hält und seine Mitspieler ein ums andere Mal geschickt in Szene setzte. Gleich in den ersten Minuten vergaben dann auch die Stürmer des TSV Nordheim zwei glasklare Möglichkeiten überhastet. Richtig gefährlich wurde es aber häufig bei Standardsituationen, bei welchen der wuchtige Zentrumstürmer Daniel Bozic meistens vom Kopfball starken Abwehrspieler Gökay Seman unterstützt wurde. Mit Glück, Geschick und unter Mithilfe der Querlatte verteidigte das klassenhöhere Team sein Tor und vermied einen Gegentreffer. Lange Zeit gelang es dem TSV Niederhofen nicht, dem Spiel einen eigenen Stempel aufzudrücken. Ein ums andere Mal wurde nur versucht mit langen Bällen auf die Spitzen oder hohe Bällen in den Strafraum zu operieren, wo Torhüter Robin Nürnberger ein sicherer Rückhalt seiner Farben war und durch sein gutes Stellungsspiel erst gar keine Torgefahr aufkommen ließ. Außerdem wurde zu oft nur über die rechte Seite gespielt, auf welcher der angeschlagene Daniel Autenrieth schon frühzeitig seiner langwierigen Verletzung Tribut zollen und durch den kämpferischen Vincent Richter ersetzt werden musste.Die beiden einzigen guten Tormöglichkeiten im ersten Durchgang blieben ungenutzt. Einmal scheiterte der emsige und weite Wege gehende Patrik Brian mit seinem Kopfball - nach einer Ecke von Stephan Faber – am Torpfosten und das zweite Mal hatte, der überall auf dem Platz zu findende, Michael Fiess den heraus stürzenden Nordheimer Torwart bereits umspielt, wurde aber zu weit abgedrängt, so das der Winkel für einen erfolgreichen Torschuss zu spitz wurde. Schließlich wurde mit einem torlosen Unentschieden die Seiten gewechselt.

Das Spiel war bis dahin alles andere als hochklassig, aber dennoch immer spannend und nichts für schwache Nerven. Der TSV Niederhofen jedoch wurde seiner Favoritenrolle in der ersten Halbzeit nicht gerecht und hatte großes Glück nicht in Rückstand geraten zu sein.

Auch in der zweiten Halbzeit machten sich die Leintaler das Leben nach wie vor unnötig schwer, betrieben trotz engagiertem Einsatz keinen geordneten Spielaufbau und waren meistens einen Schritt langsamer als ihre Gegenspieler. Diese machten weiter ordentlich Druck und drängten auf die Führung. Von Niederhofen kam einfach viel zu wenig. Der B-Ligist hatte bis dahin einen ungeheuren Kraftaufwand betrieben und so war nun logischerweise schon bald erkennbar, dass die Kräfte der Jungs des TSV Nordheim nachließen. Konditions- und dadurch Konzentrationsmängel wurden von Minute zu Minute augenscheinlicher. Die letzte gute Möglichkeit vergab Daniel Bozic, der freistehend vor dem Tor, Keeper Wolfgang Veyhl in die Arme köpfte.

Plötzlich war es zu spüren. Es ging ein Ruck durch die Reihen der „Grün-Weißen“. Die Jungs vom TSV Niederhofen erhöhten Tempo und Laufbereitschaft und setzten Ihren immer müder werdenden Gegner mehr und mehr unter Druck. Benjamin Nohe brachte neue Energie ins Spiel und entlastete einmal mehr, den in der Spitze auf sich allein gestellten, Patrik Brian. Im Mittelfeld wurden nun alle Kopfballduelle gewonnen, die Abwehr stand felsenfest und die Stürmer verschoben pausenlos von rechts nach links. Jetzt waren auch die Niederhofener Zuschauer hellwach und trieben ihre Jungs lautstark und stimmgewaltig nach vorne. In dieser Phase verhinderte der starke Robin Nürnberger im Tor des TSV Nordheim mit tollen Paraden den mittlerweile längst fälligen Führungstreffer der Niederhofener Jungs. Als dann kurz vor Spielende ein harter Schuss von Benjamin Nohe aus dem Hinterhalt an den linken Torpfosten krachte, rettete sich der TSV Nordheim mit letzter Kraft in die Verlängerung.

„Jetzt gwinna mr, die senn platt!“ Der Optimismus in den Reihen der Leintaler war zurück gekehrt und tatsächlich schien es jetzt nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die Waagschale in Richtung Niederhofen bewegt. Als dann mit Gökay Seman, einer der Besten im Team des TSV Nordheim, nach einem absichtlichen Handspiel im Mittelfeld den Spielaufbau des A-Ligisten unterband und konsequenterweise mit einer gelb-roten Karte das Spielfeld verlassen musste, war die Vorentscheidung gefallen. Andi Bissinger nahm sein Herz in beide Hände und hämmerte den Ball aus der zweiten Reihe unhaltbar für den guten Robin Nürnberger zum 1:0 in die Maschen.

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Der TSV Nordheim war geschlagen und als sich drei weitere Spieler mit gelb-rot vorzeitig verabschiedeten, hatte der TSV Niederhofen leichtes Spiel. Der agile Benj Nohe nutze erstklassige Vorbereitungen vom eingewechselten Philipp Moser und vom uneigennützigen Vincent Richter zu zwei weiteren Toren, ehe der ausgezeichnete Marco Schukraft in der letzten Sekunde seines letzten aktiven Spieles einen, mit René Hofmann ausgehandelten, „Schnick-Schnack-Schnuck-.Freistoß“ zum 4:0-Endstand ins Tordreieck zimmerte.

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Die Erleichterung unter der großen grün-weißen TSV-Familie war riesengroß und die Anspannung der letzten Wochen fiel schlagartig ab. So stand einem rauschenden und spontanen „Klassenerhaltsfestle“ nichts mehr im Wege. Feucht und fröhlich, erst unmittelbar nach Spielschluss auf dem schönen Botenheimer Sportplatz, und – nachdem geklärt war, „dass mr d`Klassaerhalt am beschda d`hoim uff eigenem Terrain ond net im Trikot uff em Schwaigerner Kelterfeschd feiert „ - schon bald und beinahe vollzählig rund um das Niederhofener Sportheim. Flugs hatten die Spielermädels, welche in den vergangenen Wochen so großen Anteil am Seelenwohl ihre Kickenden Jungs hatten, ein Buffet vor die Türe gezaubert, welches eilig im Niederhofener Landgasthaus Linde geordert und von Wirtin Regina in dankenswerter Weise großzügig aufgestockt wurde. Die Getränke flossen in Strömen und Nachtwächter Nils, der später zu früher Stunde den Ort abschloss, sorgte auf der Gitarre für Stimmung („Bloß beim Seemann ond bei d`schwarza Natascha hat d`Heinz geschwend aushelfa müssa!“). Das Fest fand lange kein Ende, wie der Berichterstatter beim nächtlichen Aufschließen seiner Haustüre an den von weit her an sein Ohr ertönenden Gesangseinlagen der Niederhofener Kickerfamilie feststellen konnte. „Heit war widr en scheena Dag!“

Fazit:

Der TSV Niederhofen brauchte lange, sehr lange, bis er den TSV Nordheim glücklich in die Knie gezwungen hatte. Das Ergebnis fiel deutlich zu hoch aus .Die Blau-Gelben waren über weite Strecken das bessere Team, scheiterten aber an ihrer Abschlussschwäche, an den vielen gelben Karten, welche sich das Team in der regulären Spielzeit zugezogen hatte und auch daran, „weil des Glück des mr oifach haba muß schon seit langem für den TSV Niederhofen vor reserviert war“.

Wir wünschen dem TSV Nordheim in der kommenden Runde viel Erfolg, auf das der Zabergäuer Traditionsverein möglichst bald wieder in der Kreisliga A spielen möge. Nichtsdestotrotz ist der Klassenerhalt für den TSV Niederhofen absolut verdient. Seit Wochen spielte das junge Team an ihrer Grenze, schuftete und verausgabte sich Sonntag für Sonntag bis zur körperlichen Erschöpfung. Vergaß dabei aber nie das Fußballspielen und ließ gegen Rundenschluss ein ums andere Mal mit achtbaren Ergebnissen aufhorchen. Das Team von Trainer Heiko Lang glaubte immer an sich, hielt fest zusammen und bewies eindrucksvoll eine echte Einheit zu sein. „Jungs, ständig hattet ihr mit immer neuen Hindernissen zu kämpfen und ihr habt alle gemeistert. Am Schluss habt ihr auch mir einen zentnerschweren Mahlstein, der mich schier erdrückt hatte, vom Herzen genommen. Junge Spieler, wie Jannik Gebert, Andreas Bissinger oder Nils Rechkemmer, eigentlich noch A-Junioren oder dem A-Jugendalter gerade entwachsen, sollten behutsam an die Mannschaft herangeführt werden, wurden aber urplötzlich ins Wasser geworfen und mussten aufgrund ständiger Verletzungssorgen schon bald nach Saisonbeginn Leistungsträger-Funktionen übernehmen. Und wie sie das gemeistert haben. Stellvertretend und sinnbildlich für die Präsentation und das Nie aufgeben der gesamten Mannschaft steht für mich der junge Rechtsverteidiger Marius Karr, der erst vor drei Jahren mit dem Fußballspielen überhaupt angefangen hatte. Wie sich Marius in jedes Spiel absolut reingehängt hat, technisch immer stärker wurde, unnachahmliche Sprints die Außenlinie entlang vorführte, sich von schmerzhaften Pressschlägen nicht umwerfen ließ, gleich darauf wieder auf den Beinen stand, um es sofort im Kopfballduell mit den längsten und kräftigsten Stürmern der Gegner aufzunehmen, das war superspitzenklasse. „Danke, Marius, danke Jungs ihr seid einzigartig!“

Tore:
1:0 Andreas Bissinger (99.),
2:0 Benjamin Nohe (109.),
3:0 Benjamin Nohe (112.),
4:0 Marco Schukraft (120.)
 
Besondere Vorkommnisse:

gelb/rot (95.) Gökay Seman (TSV Nordheim), gelb/rot (104.) Timo Plieninger (TSV Nordheim, gelb/rot (108.) Volkan Durmus (TSV Nordheim), gelb/rot (120.) Hannes Störl (TSV Nordheim)

Schiedsrichter:

Marco Gegner (Weinsberg) und sein Gespann Delil Özcelik und Patrick Spranz an der Seitenlinie waren sehr gute Unparteiische, blieben ihrer Linie treu und hatten die Begegnung jederzeit unter Kontrolle.

Zuschauer: 850

TSV Niederhofen:
Wolfgang Veyhl, Joachim Ströhl, Marius Karr, René Hofmann, Marco Schukraft, Harun Öztürk (96. Philipp Moser), Steffen Betz (75. Benjamin Nohe), Andreas Bissinger, Michael Fiess, Daniel Autenrieth (37. Vincent Richter), Stephan Faber, Patrik Brian, Sascha Dignaß, Marco Schukraft und Nils Rechkemmer. Trainer: Heiko Lang

TSV Nordheim:
Robin Nürnberger, Volkan Durmus, Timo Plieninger, Alexander Schudt, Mustafa Durmus (59. Jonas Bleibdrey), Gökay Semen, Daniel Benitez, Hannes Störl, Daniel Touran (68. Phil Heitlinger), Ennio Sahmic, Daniel Bozic (53. Sascha Lorenz), Marco Pucci, Tim Weber, Simon Becher und Önder Demir. Trainer: Savo Bozic

...Und zu guter Letzt, „wenn mr grad beim bedanka senn!“

Danke, allen Jungs der ersten und zweiten Mannschaft - für eine geile Saison, den Klassenerhalt und weil Ihr so seid wie ihr seid.

Danke, Heiko Lang – für Deine tolle und engagierte Leistung. Für Dich als Trainer war der Start beim TSV und in die neue Liga alles andere als leicht. Du hast allen Widrigkeiten getrotzt, die Mannschaft geformt und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt.

Danke, Marcel Ruckwied – für die Klasse-Unterstützung des Trainers ab der Rückrunde und für Deine aufbauenden Maßnahmen mit den Spielern.

Danke, Gündel, Holger, Olli und Barni (au a bißle fürs Foahnaschwenka!) - für eure Arbeit im Training und mit der Mannschaft.

Danke, allen Spielermädels und -frauen – „ ohne eich geht hier garnix!
 
Danke, Elke und Gerhard Schehrer – „net bloß fürs Bulldog fahra, mit oder ohne Fähnla“, sondern für alles was ihr für den Verein und die Mannschaft leistet.

Danke, Carola Faber – Du bist eine erstklassige Vereinschefin

Danke, allen Platzkassierern – „em Manne, em Otto, em Springi ond em Edgar „

Danke, allen helfenden Händen – in und um den TSV- Verpflegungscontainer

Danke, Gerhard Pfähler – für die Arbeit und den Einsatz in Sachen Stadionblättle.

Danke, em Walle – „jetzt sens scho achtzehn Joahr“ (volljährig sozusaga)

Danke, allen Gästebuchschreibern für ihre aufmunternden und motivierenden Worte.

Danke, allen Fans, den großen und Kleinen – für eure großartige Unterstützung am Spielfeldrand („180 Zuschauer im Schnitt bei de Hoimschbiel, des kenne net viele Veroi im Unterland von sich behaupta!“)

Danke, allen dem TSV Niederhofen Wohlgesinnten aus nah und fern, die mit uns im Kampf um den Klassenerhalt mitfieberten.

Danke, dem Stimme-Redakteur und -fotograf Alexander Bertok – für die umfangreichen und groß bebilderten Zeitungsberichte über den TSV Niederhofen („d`Walle hat en gfroagt, der macht in jedem Schbiel oogfähr feenfhonderd Fotos!“)

Danke, dem TSV Botenheim und allen seinen helfenden Vereinsmitglieder – der Service (richtig wohltuend ohne leidiges Gläserpfand) und die Organisation rund um die Ausrichtung des Relegationsspieles. „Das war erste Sahne“!

-...und, danke, allen die Ich jetzt eventuell vergessen habe.

„So, des wars, ond jetzt konzentriera mr ons uff d´Weltmeischderschaft, weil schließlich wella mir die gwenna, und freia uns uff d´näggschde Saison, die zweite in der Kreisliga A3!"